Auswirkungen von Lärm

Gestörter Schlaf

Mehrere internationale Studien bestätigen den negativen Einfluss von Lärm auf die Schlafqualität. Der Schlaf wird vor allem durch lärmbedingte Aufwachreaktionen erheblich gemindert. Die von den Betroffenen als besonders störend empfundene Beeinträchtigung äussert sich in einer verschlechterten morgendlichen Befindlichkeit und einem vermehrten erinnerbaren Erwachen. Mittel- und langfristig führen solche dauernden Schlafstörungen zu gesundheitlichen Problemen. Neben der Anzahl an Schallereignissen sind insbesondere deren Spitzenpegel für die Aufwachreaktionen verantwortlich. Um dies zu verhindern, müssen Massnahmen zur Lärmbekämpfung also vor allem die Spitzenpegel reduzieren.

Vegetative Funktionsstörungen

Die schädliche Wirkung von überlautem Schall auf das Gehör ist wissenschaftlich fundiert erforscht und heute auch der breiten Bevölkerung bewusst. Schwieriger nachzuweisen und deshalb auch weniger bekannt ist hingegen die Tatsache, dass sich Lärm bereits schädlich auswirken kann, bevor er als lästig empfunden wird. Die als vegetative Funktionsstörungen bekannten Effekte sind wissenschaftlich nachzuweisen. Sie äussern sich in Veränderungen von Herzschlagfrequenz, Blutdruck, peripherer Durchblutung und Atmung. Trotz schwieriger Zuordnung von vegetativen Reaktionen zu Gesundheitsschäden ist der Zusammenhang heute eindeutig erwiesen. So schätzt man, dass in Deutschland etwa 2% der Herzinfarkte durch Lärm bedingt sind. Die häufige Aussage, wonach man sich mit der Zeit selbst an übermässigen Lärm gewöhne, trifft mit Sicherheit nicht zu.
(Quelle: Auszug aus: http://www.buwal.ch/bulletin/1998/d3a05s04.htm)

Dr. Frank Schroeter, Diplomingenieur für Raumplanung
(TU Braunschweig)

Lärm

Zur Vermeidung gesundheitsgefährdender Lärmbelastungen (deren Folge z.B. Bluthochdruck sein kann) ist bis zum Jahre 2005 eine Minderung der Lärmpegel auf weniger als 65 dB(A) tagsüber erforderlich. Derzeit sind etwa 16% der Bevölkerung Lärmpegeln über 65 dB(A) ausgesetzt. Zur Vermeidung erheblicher Belästigungen und Beeinträchtigungen (Kommunikations- und Schlafstörungen) sind in Wohngebieten darüber hinausgehende Minderungen bis 2010 auf Pegel unter 59 dB(A) tags und 49 dB(A) nachts notwendig. Langfristig sollen in Wohngebieten Pegel unter 55 dB(A) tags und 45 dB(A) nachts angestrebt werden.

Wohnumfeldbedingungen und Stadtverträglichkeit

Die Wohnumfeldqualität muss erhalten oder wiederhergestellt werden. Hierzu tragen bereits die oben genannten Ziele zur Luftreinhaltung und zum Lärmschutz bei. Daneben muss die Verkehrssicherheit erhöht werden. Die Aufteilung der Straße sollte sich stärker an den Bedürfnissen der nicht-motorisierten Verkehrsteilnehmer orientieren.
(Quelle: Auszug aus: http://www-public.tu-bs.de:8080/~schroete/verkehr.htm)
Umweltbundesamt (Bundesrepublik Deutschland)

Immissionsdaten

Unter Immissionen versteht man die Einwirkung von Luftverunreinigungen, Geräuschen, Licht, Strahlen, Wärme, Erschütterungen oder ähnlichen Erscheinungen, die von einer Anlage (z.B. Kraftwerk, Müllverbrennungsanlage, Hochofen) oder von Produkten (z.B. Kraftfahrzeuge) auf ein Gebiet oder auf einen Punkt eines Gebietes (z.B. Schalleinwirkungen einer Straße auf die umgebende Bebauung oder die Anwohner) ausgehen. Im Gegensatz hierzu steht die Emission, die die von einer oder mehreren Quellen abgegebenen Wirkungen (z. B. Stoffausstoß) bezeichnet.
(Quelle: Auszug aus: http://www.umweltbundesamt.de/uba-info-daten/daten/hid.htm)

Fluglärm nervt die Deutschen

Fluglärm ist oftmals störender und belästigender als vergleichbarer Straßenverkehrslärm. Das Gesetz zum Schutz gegen Fluglärm schützt nicht ausreichend vor gesundheitlichen Beeinträchtigungen und Belästigungen. In Deutschland wird derzeit intensiv über den Lärm durch Neu- und Ausbau von Flughäfen, Nachtflugverbote und die Novellierung des Fluglärmgesetzes diskutiert. Die neue Studie des Umweltbundesamtes analysiert die Ergebnisse nationaler und ausländischer Lärmwirkungsstudien und formuliert Qualitätsziele zur Verhinderung störenden und gesundheitsgefährdenden Fluglärms.

Lesen Sie diese Studie einmal unter dem Aspekt „Schienenlärm“, Sie erkennen keinen Unterschied!
(Quelle: Auszug aus: http://www.umweltbundesamt.de/uba-info-daten/daten/fluglaerm.htm)
BUND (Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland) Neu

BUND – Positionen: Verkehr / Lärmschutz

Bund für Umwelt- und Naturschutz Deutschland e.V. (BUND) fordert Ruheschutz-Gesetz

Durch Lärm verursachte Ruhestörungen sind zu einer allgegenwärtigen Umwelt- und Gesundheitsbelastung geworden. Etwa 70 % der Deutschen fühlen sich durch Straßenverkehr, etwa 50 % durch Flugzeuge belästigt. Die gesundheitlichen Auswirkungen des Lärms sind gravierend. Was als erhebliche Belästigung beginnt, die Kommunikation stört oder die Lern- und Konzentrationsfähigkeit vermindert, wirkt langfristig als Stressfaktor und verursacht hierdurch Organschäden mit. Neben einer Schädigung der Gehörorgane durch Schwerhörigkeit, Ohrgeräusche, Hörstürze oder Tinnituserkrankungen werden vor allem Herz-Kreislauf-Krankheiten begünstigt. Herzspezialisten bezifferten 1998 die Zahl der durch Lärm in Folge des ungehemmten Straßenverkehrs verursachten Herzinfarkte auf 10.000. Nach fundierten Schätzungen werden durch Lärmeinwirkungen dreimal so viele Todesfälle verursacht wie durch krebserzeugende Luftverunreinigungen.

Das geltende Recht bewertet die gesundheitlichen Gefahren des Lärms und die Bedeutung der Ruhe nicht angemessen. Der Bund für Umwelt- und Naturschutz Deutschland e.V. (BUND) fordert deshalb anlässlich des internationalen Tages für die Ruhe ein Gesetz zum Schutz der Ruhe, um die nicht mehr akzeptable Verlärmung unseres Lebensraumes zu stoppen.

Das Recht auf körperliche Unversehrtheit nach Art. 2 Abs. 2 GG sowie das Umweltgrundrecht nach Art. 20 a GG gebieten gerade auch den Schutz vor Gesundheitsgefahren. Dies beinhaltet einen vorbeugenden Gesundheitsschutz, der durch konsequente Reduzierung und Minimierung von Risiken auf den langfristigen Erhalt der Gesundheit ausgerichtet ist. Der Schutz der Sonntagsruhe und der staatlich anerkannten Feiertage hat Verfassungsrang.

Erstes Gebot muss die Vermeidung akustischen Abfalls, d.h. das Unterbinden unerwünschter Geräusche an der Quelle sein. Daher fordert der BUND die konsequente Einführung produktspezifischer Emissionsnormen. Weiter fordert der BUND, den Vorrang des aktiven Schallschutzes vor dem passiven Schallschutz gesetzlich zu verankern. Das bedeutet, die echte Vermeidung von Schall an der Quelle hat der bloßen Abschirmung gegen Lärm durch Schallschutzfenster voranzugehen. Damit bleibt auch die Außenwohnqualität erhalten.

Zweites Gebot muss die Aufwertung des Gutes Ruhe in zeitlicher und räumlicher Hinsicht sein. Zeiten der Ruhe für die Nacht, den Sonn- und Feiertag, den Mittag sowie den Tagesrand sind nicht einheitlich geregelt. Das Hämmern eines Presslufthammers zur Nachtzeit ist unzulässig, das nächtliche Überfliegen eines Wohngebiets dagegen hinzunehmen. Einzelne Lärmquellen werden ungleich behandelt, obgleich von beiden eine Gesundheitsgefahr ausgeht. Der Bund fordert ein Mindestmaß an gesetzlich geschützter Ruhe.

In Ballungsräumen ist Ruhe häufig nur noch im Außenbereich, etwa in Naherholungsgebieten, zu finden. Der gesetzliche Schutz dieser Ruhegebiete mit Erholungsfunktion ist unzureichend. Anstelle der Bündelung von Lärm kommt es gerade bei Zulassung von Verkehrsprojekten zu einer flächendeckender Verlärmung des Außenbereichs. Der Bund fordert, dass Projekte von Gesetzes wegen auch auf ihre Ruheverträglichkeit hin geprüft werden.

Ein gesetzlicher Anspruch auf die Sanierung bestehender Straßen und Schienen- oder Luftverkehrsanlagen besteht nicht. Die Immissionsgrenzwerte der Verkehrslärmschutzverordnung finden nur bei einem Neubau oder einer wesentlicher Änderung bestehender Verkehrswege Berücksichtigung. Ökonomische Überlegungen dürfen jedoch für die Entscheidung, ob eine Gesundheitsbelastung noch zumutbar ist, nicht ausschlaggebend sein.

Gegenwärtig führt die separate Bewertung einzelner Lärmquellen zu einer Unterbewertung der Gefahren durch Lärm. Eine Addition der Gefahren findet nur dann statt, wenn die unmittelbare Schwelle zur Gesundheitsverletzung bereits überschritten ist. Das Bundes-Immissionsschutzgesetz gebietet dagegen eine summative Betrachtung der einzelnen Lärmquellen. Eine Gesamtbetrachtung findet im untergesetzlichen Regelwerk (TA Lärm, Sportanlagenlärmschutzverordnung) aber gerade nicht durchgängig statt. Der BUND fordert, dass die entsprechenden Regelungen abgeändert werden. Umgehend müssen als Mindeststandard die Empfehlungen des Rates der Sachverständigen für Umweltfragen (SRU) konsequent umgesetzt werden.

Untersuchungen zur erhöhten Ausscheidung von Stresshormonen bei der Belastung mit Fluglärm zeigen, dass bei Pegelbereichen, die bisher „nur“ als belästigend eingestuft wurden, physiologische Reaktionen ? auch unterhalb der Aufwachschwelle ? ablaufen, die ihrer Natur nach langfristig als gesundheitsschädlich anzusehen sind. Etwaigen Unsicherheiten über den Grad der individuellen Wirkungen des Lärms ist daher bei der Festsetzung von Immissionsgrenzwerten entsprechend dem Stand der Lärmwirkungsforschung durch entsprechende Sicherheitszuschläge Rechnung zu tragen.

Neuerem Kenntnisstand entspricht es auch, anstelle der verharmlosenden, da gemittelten Dauerschallpegel auf die Zahl der Einzelschallereignisse insgesamt und die Zeiten relativer Lärmfreiheit abzustellen. Nur diese beschreiben das tatsächliche Ausmaß der erlebten Ruhestörungen. Einer Fortschreibung dieser verzerrten Abbildung von Lärmereignissen in europäischen Regelwerken ist entgegenzutreten.

Aber auch auf kommunaler Ebene ist die Ruhe aktiv zu schützen. Denn Zeiten der Erholung und Ruhe werden durch die großzügige Zulassung von verkaufsoffenen Sonntagen zunehmend ihrer eigentlichen Funktion beraubt. Kommunen nehmen bei der Veranstaltung von Festen oder der Verkürzung von Sperrzeiten oft nur wenig Rücksicht auf das gestiegene Ruhebedürfnis der Anwohner. Hier sind verbindliche Regelungen auf kommunaler Ebene, auch im Rahmen von Selbstverpflichtungen, ein erster wichtiger Schritt.

Der BUND fordert die politisch und parlamentarisch Verantwortlichen auf, das ihrige zur Vermeidung von Lärm und zum Schutz der Ruhe zu tun. Die gesetzlichen Regelungen sind der Bedeutung des Schutzgutes Gesundheit anzupassen.

Für den BUND-Arbeitskreis Gesundheit: Dr. med. Lothar Wendel, Joy Hensel, Rechtsanwältin
(Quelle: Auszug aus: http://www.bund.net/themen/verkehr/hintergrund.shtml)

Gesetz zum Schutz vor schädlichen Umwelteinwirkungen durch Luftverunreinigungen, Geräusche, Erschütterungen und ähnliche Vorgänge (BImSchG)

Fünfter Teil Überwachung der Luftverunreinigung im Bundesgebiet, Luftreinhaltepläne und Lärmminderungspläne
BImSchG § 47a Lärmminderungspläne

(1) In Gebieten, in denen schädliche Umwelteinwirkungen durch Geräusche hervorgerufen werden oder zu erwarten sind, haben die Gemeinden oder die nach Landesrecht zuständigen Behörden die Belastung durch die einwirkenden Geräuschquellen zu erfassen und ihre Auswirkungen auf die Umwelt festzustellen.

(2) Die Gemeinde oder die nach Landesrecht zuständige Behörde hat für Wohngebiete und andere schutzwürdige Gebiete Lärmminderungspläne aufzustellen, wenn in den Gebieten nicht nur vorübergehend schädliche Umwelteinwirkungen durch Geräusche hervorgerufen werden oder zu erwarten sind und die Beseitigung oder Verminderung der schädlichen Umwelteinwirkungen ein abgestimmtes Vorgehen gegen verschiedenartige Lärmquellen erfordert. Bei der Aufstellung sind die Erfordernisse der Raumordnung und Landesplanung zu beachten.

(3) Lärmminderungspläne sollen Angaben enthalten über

1. die festgestellten und die zu erwartenden Lärmbelastungen,
2. die Quellen der Lärmbelastungen und
3. die vorgesehenen Maßnahmen zur Lärmminderung oder zur Verhinderung des weiteren Anstieges der Lärmbelastung.

(4) § 47 Abs. 3 gilt entsprechend.

(Quelle: Auszug aus: http://jurcom5.juris.de/bundesrecht/bimschg/)