Rundschau

FR vom 07.10.2006


Gleiserweiterung geht in entscheidende Phase



Bürger verlangen mehr Engagement vom Ortsbeirat / Schallgutachter sollen nächste Woche Auswirkungen erläutern

Bürger fordern den Ortsbeirat 9 auf, sich geschlossen gegen die Gleiserweiterung der Main-Weser-Bahn zwischen Frankfurt und Bad Vilbel zu stellen. In der nächsten Woche wollen Experten die Anwohner über die Pläne informieren.

ESCHERSHEIM .Noch eine Woche liegen die geänderten Planunterlagen im Technischen Rathaus in der Braubachstraße aus. Die Frist für Einwendungen von Privatpersonen lauft in drei Wochen ab. Kurz bevor das Mammut-Projekt, das 178 Millionen Euro verschlingen soll, beschlossene Sache zu werden scheint, macht der Ortsbeirat 9 (Dornbusch, Eschersheim, Ginnheim) noch einmal mobil.

„Wir müssen jetzt Nägel mit Köpfen machen“, gab sich Ortsvorsteher Hermann Hesse (CDU) auf der jüngsten Sitzung am Donnerstag entschlossen. Diesen Kurs sehen viele Bürger und Beiratsmitglieder aber eher als verzweifeltes Aufbäumen.

Die Bürgerinitiative (BI) ,,2 statt 4“, die sich seit Jahren gegen die Interessen der Deutschen Bahn bei dem Ausbau wehrt, wirft dem Ortsbeirat mangelndes Engagement und Sachkenntnis vor. „Gehören Sie zu den Getäuschten oder den Täuschern?“, hieß die plakative Frage aus den Reihen der Ausbaugegner. BI -Vorsitzender Rolf Hassemer zeigte die drastischen Auswirkungen nochmals auf: „Laut den jetzigen Plänen wird jede Nacht alle zehn Minuten ein Güterzug auf der Strecke fahren.“ Im Gegenzug sollen die S-Bahn-Züge tagsüber um zwei bis drei Fahrten reduziert werden.

„Eine der Hauptverkehrsstraßen Europas kann unmöglich durch ein dicht besiedeltes Gebiet führen“ ergänzte Achim Lotz, der in der Niedwiesenstraße unmittelbar an der geplanten Trasse wohnt. Die Tatsache, dass der Verteilerbahnhof nicht an die Main- Weser- Linie angeschlossen ist, sei unverständlich.

„Weder die Stadt noch das Land hat etwas von dem Ausbau, sondern lediglich die Bahn“, so der Anwohner weiter.

Herbert Weber (SPD) zeigte Verständnis für die Vorwürfe: „Das Eigentum wird entwertet und die Gesundheit der Bürger nachhaltig geschädigt.“ Weber sicherte der BI einen Gesprächstermin zu. Für nächsten Donnerstag beraumte das Gremium einen öffentlichen Informationstermin an. Vertreter der Deutsche Bahn Projektbau, des Eisenbahnbundesamtes sowie des Planungsdezernates stellen die geänderten Pläne vor. Gutachter für Schall- und Erschütterungsschutz erläutern die Auswirkungen.

Das Stadtteilparlament stimmte über sechs Vorlagen ab, die den Ausbau betreffen. Der Kanon der Anträge lautet: Klärung der Lärm- und Erschütterungsbelastung entlang des Abschnitts Berkersheim bis Frankfurt-West. Der Schutz sei bisher völlig unzureichend, so Klaus Funk (FDP), denn „der Schall reflektiert zwischen den Lärmschutzwänden und erreicht demzufolge die benachbarten Häuser“.

Die CDU hielt sich bedeckt zu den Forderungen. Fraktionsvorsitzender Nils Kößler wies darauf hin, dass sowohl die BI als auch die Bahn verschiedene Erhebungen zur Belastung ausgewertet hätten: „Beide Seiten haben Interessen und sind nicht neutral.“ Weiter sagte Kößler: „Die Meinung des Ortsbeirats hat ohnehin beim Ausbau kein Gewicht.“ Dennoch bleiben drei Wochen, die es zu nutzen gilt.