Frankfurter Neue Presse

FNP vom 18.10.2006


BI: Alle zehn Minuten fährt Güterzug

Berkersheim. Seit Jahren wird über den viergleisigen Ausbau der Bahnstrecke vom Frankfurter Westbahnhof nach Bad Vilbel gestritten. Mit einer Klage gegen den Planfeststellungsbeschluss von 2004 erreichten Anwohner aus Berkersheim und Eschersheim, dass die Bahn Änderungen an den Plänen vornehmen musste. Bis vergangene Woche konnte das Ergebnis dieser Überarbeitung im Technischen Rathaus eingesehen werden. Einwendungen gegen das Vorhaben sind noch bis Freitag, 27. Oktober, möglich. Und FDP-Stadtverordnete Hannelore Otto hofft, dass viele Bürger diese Chance nutzen. Denn eine Verbesserung für die Anwohner der Strecke kann die Sprecherin der „Bürgerinitiative (BI) gegen den Ausbau der viergleisigen Bahnlinie“ nicht erkennen. Im voll besetzten Haus der Michaelisgemeinde informierte sie deshalb nun mit ihren Mitstreitern über die Pläne der Bahn und deren Auswirkungen auf Berkersheim.



Wichtigste Erkenntnis der Planänderungen sei, dass die Strecke in Zukunft vor allem nachts stärker frequentiert werde. „75 Prozent der Güterzüge fahren laut der Prognose dann spät“, sagt Julian Langner, Vertreter der BI und Mitglied der FDP-Fraktion im Ortsbeirat 10. Während zurzeit 21 Güterzüge zwischen 22 und sechs Uhr die Strecke passierten, seien es in Zukunft 47. „Dies bedeutet, dass alle zehn Minuten ein Güterzug vorbei rauscht.“

Allerdings handele es sich bei den Zahlen nur um Prognosen der Bahn. „Die DB wird ihre Gleise in Zukunft aber auch für andere Anbieter öffnen müssen. Das heißt, die Zahlen werden steigen“, sagt FDP-Stadtverordnete Annette Rinn. Nur die Prognose der Bahn berücksichtigt, steige die Lärmbelästigung aber schon von 73,1 Dezibel auf 75. „Das entspricht dem Pegel, den eine kleine Straße verursacht, die fortwährend befahren wird“, sagt BI-Mitglied Lars Michler. In den Berechnungen der Bahn aber tauche ein Lärmpegel von lediglich 72,1 Dezibel auf.

„Durch regelmäßige Lärmmessungen und Abschleifen der Schienen soll eine Lärmminderung von drei Dezibel erreicht werden, die die Bahn gleich eingerechnet hat“, erklärt Langner. Das Schleifen müsse aber doch sicher auch nachts vonstatten gehen und sei laut, vermutet der Jurist. Doch die Maßnahme habe noch weitere Nachteile für die Berkersheimer Bürger. Etliche Häuser erhielten wegen des Schleifens sowie des Baus einer 14 Kilometer langen Lärmschutzwand keine Schallschutzfenster und keine Belüftungsanlage mehr von der Bahn. „Vor der Änderung sollten 121 Betroffene in den Genuss von passivem Lärmschutz kommen, jetzt sind es nur 27. Das kann nicht sein“, protestiert Hannelore Otto.

Darüber hinaus stelle der Bau der Lärmschutzwände einen erheblichen Eingriff in das Niddatal dar. „Die Fundamente, die für die bis zu sechs Meter hohen Wände nötig sind, werden nicht ohne Einfluss auf den Wasserspiegel bleiben“, sagt Langner. Außerdem störe so ein Bauwerk die Frischluftschneise. All das würde in den Planungen der Bahn aber nicht berücksichtigt. „Das Niddatal ist Teil des Grüngürtels, einem Naherholungsgebiet für die Bürger. Dieser Aspekt und die Wand, das passt nicht zusammen“, betont der Ortspolitiker. Zudem dauere es etwa 70 Jahre, bis sich das Tal wieder von den Bauarbeiten erholt habe.

Neben den langfristigen Beeinträchtigungen durch die Gleiserweiterung befürchtet Hannelore Otto auch erhebliche Probleme während der vierjährigen Bauzeit. „Der Bauverkehr wird in dieser Zeit mitten durch Berkersheim gehen.“ Bei einem solchen Vorhaben, das das übliche Maß weit überschreite, könnten Bewohner auf Mietminderung drängen. Das habe ein Urteil erst jüngst bestätigt. „Diese Gleiserweiterung hat für die Hauseigentümer also auch finanzielle Nachteile.“ Der Verkehrswert der Häuser und Grundstücke werde sinken, Verluste bei den Mieteinnahmen seien vorhersehbar und mancher werde wohl sogar Probleme haben, einen Mieter zu finden. „Von einer Entschädigung für diese Dinge ist im Planfeststellungsvorschlag der Bahn keine Rede“, kritisiert die BI-Sprecherin. Um die DB-Pläne erneut zu kippen, sammelt die BI Unterschriften. Außerdem unterstützt sie Hauseigentümer bei Einzeleinwendungen. Betroffene können sich bei Frau Otto unter Telefon 069 / 54 10 74 melden. (kan)