Frankfurter Neue Presse
FNP vom 14.10.2006
Gleisausbau dient nur der S-Bahn
Von Christiane Tetzner
Eschersheim. Noch in den kommenden 14 Tagen sind Einwendungen im Planänderungsverfahren zum viergleisigen Ausbau der Main-Weser-Bahn möglich. Kurzfristig hatte der Ortsbeirat 9 mit der Bürgerinitiative „2 statt 4“ eine Infoveranstaltung einberufen, bei der Vertreter von Bahn, Stadtplanung und ein Schallschutz- und Erschütterungsexperte über den aktuellen Sachstand berichteten.
Im Auftrag des Landes Hessen und dem Rhein-Main-Verkehrsverbund (RMV) soll die Bahn auf einer Strecke von 14 Kilometern die Verbindung Bad Vilbel-Frankfurt West viergleisig ausbauen. In sieben Bauphasen soll das Projekt bei laufendem Betrieb innerhalb von vier Jahren ausgeführt werden. Die Bahn hofft, trotz aller bisherigen Verschleppungen 2011 den Betrieb aufzunehmen. 200 Millionen Euro kostet der Ausbau, zehn Millionen entfallen auf den Umbau der Verkehrsanlagen. Zum laufenden Planänderungsverfahren, das sich ausschließlich mit ergänzenden Maßnahmen zum Lärm-, Schall- und Landschaftsschutz beschäftigt, konnten die Bürger nun Fragen vorbringen.
Strittig sind vor allem fünf Punkte des Ausbaus. So vermuten viele Bürger, es gehe der Bahn gar nicht um einen Ausbau für den S-Bahn-Verkehr, sondern für den Güterverkehr.„Das Gemeinde-Verkehrsfinanzierungsgesetz hat strikte Regularien. Wenn wir auf den Ausbau-Gleisen heimlich Güterzüge verkehren lassen, verlieren wir unsere Zuwendungsfähigkeit“, widersprach Klaus Diel von der DB Netz AG dem Vorwurf. Allerdings könne es aufgrund regionaler Begebenheiten zu Umwidmungen kommen, so Diel weiter. So müsse die S-Bahn nicht zwangsläufig auf dem neu gebauten Gleis verkehren, sondern könne auf ein bereits vorhandenes verschoben werden. „Ziel ist die Trennung von Güterverkehr und S-Bahn, die dann pünktlicher fährt.“
Zur Verlässlichkeit der Prognosen für den Güterverkehr sagte Stefanie Fischer von der DB Netz AG, die Bahn könne künftige Bestellungen von freien Unternehmern, denen sie das Streckennetz zur Verfügung stellen müsse, nicht exakt vorhersagen.
Die Bürger bemängeln weiter, dass die geplanten Schallschutzmaßnahmen nicht ausreichen oder die bis zu sechs Meter hohen Verbauungen den Schall verstärkt übertragen. „Die aktiven und abschirmenden Maßnahmen zum Schallschutz sind umfangreicher als in früheren Planungen. Es gibt wesentlich weniger Objekte, wo die Grenzwerte nicht eingehalten werden“, sagte Peter Fritz, Sachverständiger für Schall- und Erschütterungsschutz. Nach dem Umbau werde es für die meisten Anwohner leiser als bisher. „Zusätzlichen Lärmschutz erhalten sie aber nur mit dem Ausbau.“ Es gebe keine Reflektionen oder Lärmbrechungen an der Oberkante der Schutzwände: Der Lärm werde absorbiert. Das sei bei durchsichtigen Schutzwänden nicht möglich.
Dass die Schutzwände im Katastrophenfall unüberwindbare Hindernisse darstellten, verneinte Norbert Wolf von der DB Projekt-Bau: „Es sind ausreichend Notausgänge, Türen und Rettungseinrichtungen angeordnet.“ Dass ausreichende Rettungswege eingeplant seien, bestätigte auch ein Sprecher der Berufsfeuerwehr.
„Zum Erschütterungsschutz gibt es keine zusätzlichen Maßnahmen. Auch wenn wir punktuelle Konflikte nicht ganz ausschließen können“, räumte Peter Fritz ein. Die erforderlichen Arbeiten stehen aus seiner Sicht in keinem Verhältnis zum Schutzzweck.
Rückfragen der Bürger zum Wertverlust einzelner Grundstücke und Immobilien verwiesen die Experten auf die bevorstehenden Anhörungen im Planänderungsverfahren.
„Frankfurt ist mit der Bahn groß geworden, und die Anwohner profitieren von dem dabei erreichten Wohlstand“, sagte Rüdiger Voerste vom Stadtplanungsamt. Ohne die Bahn könne der Verkehr in der Stadt nicht bewältigt werden. Doch die Nutzen--Kosten-Analyse, die Vorteile des Ausbaus für das Gemeinwohl belegen soll, werde geheimgehalten, bemängeln die Ausbau-Gegner. Die Bürgeriniative machte deutlich, dass sie den Ausbau weiter mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln verhindern will.
