Frankfurter Neue Presse
FNP vom 11.10.2006
Harheimer rechnen mit mehr Lärm
Harheim. Einstimmig fordert der Harheimer Ortsbeirat den Magistrat auf, fristgerecht bis spätestens zum 27. Oktober gegen das Planänderungsverfahren zum Ausbau der Bahnlinie von Bad Vilbel nach Frankfurt mehrere Einwendungen zu erheben. Die Bahn AG will die als Main-Weser-Bahn bekannte Strecke von zwei auf vier Gleise ausbauen. Während Ortsvorsteher Helmut Seuffert (Grüne) vor allem um den Grüngürtel als Naherholungsgebiet fürchtet, rechnet der CDU-Fraktionsvorsitzende Bernd Kölling mit zusätzlichem Lärm durch erhöhtes Güterzug-Aufkommen in der Nacht.
„Das Rechtsbewusstsein der Bürger leidet, wenn sie merken: Sobald ich etwas im Grüngürtel verändere, hebt jemand den Finger. Wenn die Bahn aber eine hohe Mauer mitten im Niddatal baut, darf sie das“, kritisiert Seuffert. Eine bis zu sechs Meter hohe Schallschutzwand wolle die Bahn entlang der neuen Trasse errichten – „so hoch wie ein Einfamilienhaus.“ Aus einem zusätzlichen Gleis sei inzwischen ein Mammutprojekt geworden, das rund 50 000 Quadratmeter Land benötige.
Die steigende Zahl an Güterzügen bedeute mehr Lärm, fürchtet Seuffert. Die notwendigen Schallschutzwände bildeten eine Wand quer durch das Niddatal. „Von den möglichen Auswirkungen auf die Frischluftzufuhr durch eine solche Wand spricht bislang niemand.“ Auf seine Initiative fordert der Ortsbeirat, der Magistrat solle gegen die Planänderung einwenden, dass „die ökologischen Auswirkungen der sechs Meter hohen Lärmschutzwand und deren Einfluss auf die Frischluftzufuhr nicht untersucht worden seien.
Die Bahn setze Herbizide ein, um die Gleise frei zu halten, heißt es auf Wunsch der Grünen im zweiten Punkt des interfraktionellen Antrags. Deren Auswirkung auf das Niddatal und die dort befindlichen Wasserschutzgebiete sei nicht berücksichtigt worden.
„Wir haben hier die Wahl zwischen Erhängen und Erschießen“, sieht Seuffert die Bürger in die Ecke gedrängt. Entweder sprächen sich die Menschen gegen mehr Lärm und für die Wand aus. Oder aber sie seien für die Bewahrung des Grüngürtels und gegen die Wand. „Die Bahn soll sehen, wie sie dieses Problem löst.“
Bislang sei völlig unklar, wie laut es für die Harheimer künftig werde. „Es gibt keine Messungen. Die künftige Lärmbelastung wurde lediglich mit komplizierten Formeln berechnet.“ Ob die Prognosen richtig seien und es nicht doch lauter werde als angekündigt, sei zurzeit nicht zu beurteilen.
Anders als für die Grünen ist dies für die CDU die Hauptkritik an den Plänen der Bahn. Seine Fraktion sei grundsätzlich für den Bahn der neuen Trasse, sagt Kölling. Er fürchte allerdings, dass die zusätzlichen Güterzüge für Harheim mehr Lärm bedeuteten. „Bei Ostwind wird der Schall noch verstärkt. Die Züge sind dann deutlich zu hören.“
In Harheim werde die Schallschutzwand eben nicht sechs Meter hoch, sagt Dagmar Wendler (CDU). „Nach Berkersheim hin gibt es eine vier Meter hohe Lärmschutzwand. Auf Harheimer Seite ist stellenweise gar kein Lärmschutz vorgesehen.“ Möglicherweise reiche das nicht aus. „Wir benötigen sichere Daten“, fordert Kölling.
„Die Personenzüge und S-Bahnen sind im Gegensatz zu einem Güterzug nur ein sanftes Rauschen“, so Kölling Um sichere Prognosen über den vor allem durch Güterzüge entstehenden Lärm zu erhalten, fordert der Ortsbeirat auf Wunsch der CDU „ein Schallschutzgutachten in Bezug auf die Belastung auf Harheimer Wohngebiete.“ Bei Überschreitung der Grenzwerte seien entsprechende Maßnahmen gegen die Lärmbelastung Harheims vorzunehmen – etwa der Bau einer Schallschutzwand.
Am morgigen Donnerstag, 12. Oktober, findet um 19 Uhr in Eschersheim in der Aula der Ziehenschule, Josephkirchstraße 9, eine Informationsveranstaltung zum geplanten Neubau statt. Eingeladen sind Gutachter sowie Vertretern der Stadt Frankfurt und der Bahn AG. Am Montag, 16. Oktober, um 20 Uhr plant die Bürgerinitiative gegen den Ausbau einen Info-Abend in der Michaelisgemeinde in Berkersheim, Am Herrenhof 42. (hau)
