Frankfurter Neue Presse

FNP vom 16.09.2006


Niddatal verschwindet hinter Lärmschutzwand

Von Günter Murr

Frankfurt. Nächste Runde in der Debatte um den viergleisigen Ausbau der Bahnstrecke vom Westbahnhof nach Bad Vilbel: Die Deutsche Bahn AG (DB) hat die Pläne noch einmal überarbeitet, sie liegen seit Mittwoch im Technischen Rathaus aus. Die wichtigste Änderung betrifft die Prognose des künftigen Verkehrs auf der Strecke. "Man rechnet jetzt damit, dass mehr Güterzüge in der Nacht fahren", sagte gestern DB-Sprecher Torsten Sälinger. Deshalb habe der Schallschutz neu berechnet werden müssen. Gegenüber den alten Plänen seien jetzt mehr Schallschutzwände vorgesehen. Die DB wolle Anfang 2008 mit dem Bau beginnen, Ende 2011 wäre die neue Strecke dann fertig.

Die FDP-Stadtverordneten Hannelore Otto fürchtet, dass das gesamte Niddatal zwischen Ginnheim und Berkersheim hinter den Wänden verschwindet. "Sie werden vier bis sechs Meter hoch", berichtet die Rechtsanwältin, die sich die neuen Pläne bereits angeschaut hat. Gerade die Bewohner höher gelegener Häuser hätten aber nichts davon. Wegen des "Trompeteneffekts" breite sich der Lärm über die Wände hinweg nach oben aus. Sie rechnet deshalb nicht damit, dass die laufenden Klagen zurückgezogen werden.

Erreicht haben die Planänderung mehrere Anwohner aus Berkersheim und Eschersheim mit ihren Klagen gegen den Planfeststellungsbeschluss von 2004. Sie wiesen darauf hin, dass die Bahn mit Prognosen aus dem Bundesverkehrswegeplan von 1992 arbeite, der längst durch eine neue Fassung von 2003 aktualisiert wurde. Der Verwaltungsgerichtshof in Kassel folgte dieser Argumentation. Das Eisenbahnbundesamt beantragte, das Verfahren ruhen zu lassen.

Unabhängig davon hat auch die Stadt Frankfurt gegen das Vorhaben geklagt. Dabei geht es um eine Unterführung zwischen Berkersheim und Harheim. Diese wurde relativ breit geplant, damit sie auch von Feuerwehr-Fahrzeugen passiert werden kann. Die Stadt allerdings fürchtet, dass dann unerwünschter Durchgangsverkehr zwischen Harheim und Berkersheim entsteht. In einem Vermittlungsverfahren sollte schon Ende vergangenen Jahres ein Kompromiss zwischen Bahn und Stadt gefunden werden. Doch die Sache ist immer noch nicht unter Dach und Fach. "Die Klage wird weiter aufrecht erhalten", sagte gestern Edgar Müller, Referent von Planungsdezernent Edwin Schwarz (CDU). An Details einer Lösung werde in der Verwaltung noch gearbeitet. Möglicherweise werde mit einer Schranke der Durchgangsverkehr unterbrochen. Zustimmen müsse am Ende auch noch das Stadtparlament.

Geändert hat die DB übrigens noch einen weiteren Punkt. Das Praunheimer Nidda-Wehr wurde als naturschutzrechtliche Ausgleichsmaßnahme aufgenommen. Es soll die Durchlässigkeit für Fische verbessert werden.

Der Ausbau der 13,5 Kilometer langen Bahnstrecke ist seit den 80er Jahren im Gespräch. Durch die zusätzlichen Gleise soll die häufig unpünktlich fahrende S6 zuverlässiger werden. Von den zuletzt mit 180 Millionen Euro bezifferten Kosten trägt die Stadt rund 10 Millionen Euro. Hannelore Otto rechnet aber damit, dass das Projekt am Ende viel teuer wird, auch wegen des zusätzlichen Lärmschutzes.

Die Pläne liegen bis zum 13. Oktober im Technischen Rathaus aus.