Frankfurter Neue Presse

FNP vom 31.10.2006


Warum in München die S-Bahn schneller fährt


Frankfurt. Der City-Tunnel, das Nadelöhr der Frankfurter S-Bahn, ist derzeit komplett ausgelastet. Maximal 22 Züge pro Stunde und Richtung haben derzeit zwischen Hauptbahnhof und Ostendstraße Platz, mehr lässt die aktuelle Technik nicht zu. Deshalb fahren längst nicht alle S-Bahnen durch den Tunnel. Die S 7 zum Beispiel endet am Hauptbahnhof, für jeden zweiten aus Dietzenbach kommenden Zug der S 2 ist in Offenbach Schluss. Aus den gleichen Gründen ist eine Verdichtung des 15-Taktes nicht möglich.

München ist bereits weiter, wie die Verkehrspolitiker der Frankfurter CDU-Fraktion bei einer Informationsreise staunend feststellten. Auch in der bayerischen Landeshauptstadt fahren alle S-Bahnen durch den City-Tunnel. Trotzdem wurde auf einzelnen Strecken der 10-Minuten-Takt eingeführt, in der Hauptverkehrszeit fahren 30 Züge durch den Tunnel. Möglich ist das durch die so genannte Linienzugbeeinflussung zwischen Laim und Ostbahnhof, die sonst vor allem auf Hochgeschwindigkeitsstrecken eingesetzt wird. 90 Millionen Euro hat die Modernisierung gekostet.

Die Züge werden von einem Computer gesteuert, der Fahrer muss sich nur an die elektronisch übermittelte Geschwindigkeit halten. Möglich sind 80 km/h statt 60 km/h bei konventioneller Technik. Auf diese Weise können die Bahnen in kürzerem Abstand fahren. Allerdings darf es an den Stationen nicht zu Verzögerungen kommen. Maximal 23 Sekunden sind für den Fahrgastwechsel einkalkuliert. Das klappt aus zwei Gründen: Zum einen gibt es im Münchner S-Bahn-Tunnel das „spanische System“: Die Fahrgäste steigen links ein und rechts aus und kommen sich nicht wie in Frankfurt ins Gehege. Außerdem ist jeder Bahnsteig mit einem Aufsichtsmitarbeiter besetzt, der den Fahrgastwechsel überwacht und notfalls per Durchsage auf schnelleres Einsteigen drängt.

In Frankfurt ist das alles noch Zukunftsmusik. Schon allein deshalb, weil bei der S-Bahn Rhein-Main noch viele alte Fahrzeuge unterwegs sind, bei denen sich die Umrüstung auf die neue Technik nicht mehr lohnt. Zunächst soll die Kapazität im Tunnel von 22 auf 24 Züge pro Stunde erhöht werden. Die CDU-Fraktion will jetzt zumindest eine Anfrage stellen, wann mit der Linienzugbeeinflussung zu rechnen ist.

In München dagegen gehen die Planungen noch einen Schritt weiter. Derzeit läuft das Planfeststellungsverfahren für einen zweiten S-Bahn-Tunnel in der Innenstadt. Geschätzte Kosten: eine Milliarde Euro. (mu)