Frankfurter Neue Presse
FNP vom 27.10.2006
Linke: Bahn betreibt antiquierte Verkehrspolitik
Frankfurter Nordwesten. Der geplante Ausbau der Main-Weser-Bahn von Bad Vilbel bis zum Westbahnhof beschäftigt jetzt auch den Ortsbeirat 8 (Heddernheim, Nordweststadt, Niederursel). Während die SPD-Fraktion für die kommenden Sitzung lediglich einen Fragenkatalog von sieben Punkten vorlegt, um genauere Informationen über die tatsächlichen Arbeiten und Hintergründe zu bekommen, spricht Die Linke/WASG bereits von Planungen, die „in sich widersprüchlich sind“.
Die Linken seinen „prinzipiell für die möglichst umfassende Verlagerung des Güterverkehrs auf die Schiene“, heißt es in der Begründung einer Anfrage. Dies sei nicht nur aus Gründen der Energieeffizienz, sondern alleine schon zur Reduzierung von Immissionen durch den Schwerlastverkehr geboten, allen voran der Feinstaubbelastung in den von Autobahnen umgebenen Ballungszentren.
„Eine viergleisige Güterverkehrsstrecke mit allein in der Nacht mehr als 47 Güterzügen mitten durch das Frankfurter Stadtgebiet zu planen, entspricht allerdings einer Verkehrspolitik aus den 70er Jahren des vergangenen Jahrhunderts“, wirft Michael Greiner den Planern vor. Es handele sich nicht um eine Nebenstrecke, deren Zubringerverkehr die Stadt oder das Umland versorge. Die Main-Weser-Bahn sei im europäischen Verkehrswegeplan Teil einer der Hauptgüterverkehrsstrecken Europas in Nord-Süd-Richtung, mit dem erstrebenswerten Ziel, die Autobahn zu entlasten. Es dürfe nicht sein, dass eine Verkehrsstraße – gleich ob Bahn oder Autobahn – eine Stadt in dieser Art und Weise durchschneide und die direkten Anwohner, aber auch viele andere Bürger Frankfurts, die Nachteile einer europäischen Verkehrsstrecke erleiden würden.
Die Bahn zähle zu einem der sichersten Transportmittel. Dennoch ließen sich Unfälle nicht ausschließen. Es sei daher unverantwortlich eine europäische Gütertrasse mitten durch ein so dicht besiedeltes Gebiet zu führen.
Daher sei es notwendig, „die Streckenführung prinzipiell neu zu überdenken und ökologisch und sozial verträgliche Alternativen zu entwickeln“.
Auch die SPD-Fraktion sieht die Verlagerung von Teilen des Güterverkehrs von der Straße auf die Schiene als „insgesamt ökologisch sinnvoll“ an. Doch bisher gebe es in der Öffentlichkeit „sehr widersprüchliche Informationen über Umfang und Folgen dieses Bauprojektes“.
Bevor diese Anfragen diskutiert werden, stehen in der Bürgerfragestunde die Quartiersmanager der Nordweststadt und Mitglieder des Vereins Brücke 71, der sich um die Verbesserung der Wohnsituation in der Nordweststadt bemüht, für einen Erfahrungsaustausch zum Projekt „Soziale Stadt“ bereit. (sö)
Der Ortsbeirat 8 tagt öffentlich am Donnerstag, 2. November, von 20 Uhr an im Bürgerhaus Nordweststadt, Titus-Forum (Nordwestzentrum), Walter-Möller-Platz 2.
